SCHREBERS Er.de GARTENFORUM - Tipps für Garten- und Blumenfreunde
Rosen veredeln
Edelrosen, wie man sie in unseren Gärten findet, lassen sich nicht durch Samen vermehren. Durch die Aussaat spaltet das Erbgut auf und die entstehenden neuen Pflanzen zeigen meist nicht die Eigenschaften, die man erzielen möchte. Deshalb werden solche Rosen "veredelt", wenn man sie vermehren möchte. Dabei werden zwei unterschiedliche Pflanzen zusammengebracht, aus denen eine Rose mit erwünschten Eigenschaften entsteht.
Die Veredlungsart, die hier vorgestellt wird, nennt man "Okulation". Es gibt noch andere Vorgehensweisen, die hier aber nicht behandelt werden.
Das nötige Werkzeug
Eine gute Gartenschere, die Rosenzweige nicht abquetscht, sondern sauber abschneidet.
Ein Okuliermesser (Fachhandel!)
Okulations-Schnellverschlüsse zum Verbinden der Veredelungsstelle
So wird es gemacht
Für eine Veredelung braucht man nicht nur das Ausgangsmaterial der zu veredelnden Rose, sondern auch eine so genannte Unterlage. Das ist eine Wildrose, auf der die Edelrose wachsen soll. Diese Unterlagen kann man im Fachhandel kaufen (z.B. Rosa canina "Inermis" oder Rosa "Laxa"). Die Pflanze sollte zum Zeitpunkt der Veredlung ein- bis zweijährig sein und schon in Ihrem Garten angewachsen sein. Wässern Sie eine Woche vor der Veredelung die Pflanzen gut - dann löst sich die Rinde der Unterlage besser, und das ist für die Veredlung wichtig.
Die beste Zeit für die Okulation "am schlafenden Auge" ist zwischen Juli und August. Zur Veredlung muss man in diesen Wochen "Reiser" schneiden. Das sind Zweige der Rose, die man von der (voll entfalteten) Blüte befreit hat. Auch alle Blätter werden abgeschnitten (bis auf die Blattstiele). Dort, wo die Blätter am Zweig saßen, liegen die "Augen", aus ihnen entstehen später die neuen Rosen. Ein Zweig ist dann gut geeignet, wenn sich die Stacheln der Rose leicht entfernen lassen.
In der Mitte des Triebes sucht man sich dann die dicksten Augen heraus. Das Auge wird mit dem Okuliermesser 2 cm über und unter dem Auge mit einem dünnen Rindenblättchen, an dem sich ein Holzspan befindet, herausgeschnitten. Der Holzspan "auf der Rückseite" des Auges wird entfernt. Mit dem Messer wird dann ein "T"-förmiger Schnitt in den Wurzelhals der Veredlungsunterlage geschnitten. Die Rindenflügel werden mit dem Messer etwas auseinander gebogen. In die zwischen den Rindenflügeln entstehende kleine "Tasche" wird das Auge gesteckt, so dass es ein bisschen herausschaut. Das Messer und auch das Auge/die aufgeschnittene Rinde sollte man nicht mit den Fingern anfassen! Bei der kleinsten Unsauberkeit wächst das Auge nicht an! Nach dem Vorgang wird das Auge mit einem Spezialgummiband (Fachhandel) umwickelt, damit es besser anwächst
Nach rund 20 Tagen ist das Auge in der Unterlage angewachsen. Im nächsten Frühling wird die Wildkrone der Unterlage ca. 2 cm über der Veredlungsstelle abgeschnitten. Wenn das Edelauge kräftig ausgetrieben hat, kneift man die Triebspitzen ab. Dann verzweigt sich der Trieb besser. An den neuen Trieben entwickeln sich noch im gleichen Jahr die Blüten.