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Amerikanischer Stachelbeer-Mehltau [ zurück ]
In den letzten Jahren ist der Amerikanische Stachelbeermehltau (Sphaerotheca
mors-uvae) an anfälligen Sorten verbreitet stark aufgetreten. Der Schadpilz
wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts nach Deutschland verschleppt und spielt
nicht nur an Stachelbeeren, sondern auch an Schwarzen Johannis- und Jostabeeren
eine Rolle. Bekannt ist er ebenfalls von Roten Johannisbeeren. Außer diesem
gibt es auch noch einen Europäischen Stachelbeermehltau (Microsphaera grossulariae),
der jedoch als recht harmlos gilt.
Beide Vertreter gehören zur Ordnung Erysiphales, also zu den Echten Mehltaupilzen,
die weltweit verbreitet sind und zu denen 20 Gattungen mit ungefähr 100
Arten auf etwa 7000 Wirtspflanzen zählen.
Trieb-, Blatt- und Fruchtmehltau
Der Amerikanische Stachelbeermehltau zeigt sich an Triebspitzen, Blättern
und Früchten, wobei zunächst die Triebspitzen mit den jüngsten
Blättchen von dem feinen weißen Myzel des Schadpilzes überzogen
werden. Von hier aus greift die Krankheit auf junge Früchte über,
die bald darauf ebenfalls den weißen Mehltaubelag aufweisen. Dieser verdichtet
sich allmählich zu einem derben braunen "Filz"überzug, der
die Früchte an der Ausreifung hindert. Befallene Jungtriebe der Stachelbeeren
wirken gestaucht und werden zur Ausbildung von Ersatztrieben angeregt. Hierdurch
kommt es zu einem besenartigen Erscheinungsbild der Sträucher. Letztlich
werden die natürlichen Nährstoffvorräte betroffener Pflanzen
durch diese nutzlose Ausbildung von Ersatztrieben schnell verbraucht, so dass
solche Sträucher geschwächt werden und nach mehrmaligem wiederkehrenden
Befall sogar absterben können.
Amerikanischer
Stachelbeermehltau an Früchten
Auswirkungen
des Mehltaubefalls
Mehltaubefall an Stachelbeerfrüchten führt bei anfälligen Sorten
dazu, dass die Beeren nicht verwertet werden können. An Schwarzen Johannisbeeren
kommt es zu Verkrümmungen von Blättern und Trieben. Bei starkem Auftreten
des Pilzes sterben Triebspitzen ab und Blütenanlagen werden vermindert,
wodurch die Ernte im Folgejahr erheblich verringert werden kann. Fruchtbefall
ist hier seltener als bei Stachelbeeren.
Europäischer
Stachelbeermehltau meist erst nach der Ernte
Der Europäische Stachelbeermehltau ist vorwiegend an Stachelbeeren zu finden,
befällt aber auch andere Vertreter der Gattung Ribes wie z. B. Schwarze
und Rote Johannisbeere. Bei diesem Pilz entsteht an Blättern, seltener
an Trieben, ein zarter grauweißer Belag, der meist erst nach der Ernte
in Erscheinung tritt.
Luftmyzel,
Schlauchfrüchte und Konidien
Amerikanischer Stachelbeermehltau bildet im Verlauf der Krankheit ein braunfilziges
Myzel (sekundäres Luftmyzel) auf befallenen Pflanzenteilen, wo schon im
Verlauf des Sommers zwar zahlreiche Schlauchfrüchte (Perithecien) entstehen,
doch überwintert der Schadpilz an Stachelbeeren offenbar mit Hilfe des
in die Knospen eingedrungenen Myzels in diesen. An Schwarzer Johannisbeere hingegen
werden die Primärinfektionen durch Schlauchsporen (Ascosporen) hervorgerufen,
die etwa ab Ende April über einen größeren Zeitraum hinweg aus
den Perithecien ausgeschleudert werden.
Bereits während des Austriebs bilden sich an den ersten Infektionsstellen
zahlreiche Sporen (Konidien), über die der Amerikanische Stachelbeermehltau
leicht verbreitet wird. Feuchtwarme Witterung ist für den weiteren Verlauf
der Krankheit förderlich. Nach Abklingen der Konidienproduktion setzt abhängig
von Witterung und örtlicher Lage etwa ab Mitte Juni die Entwicklung des
braunen, sekundären Luftmyzels und der Schlauchfrüchte ein.
Blattbefall
an Schwarzer Johannisbeere
Winterschnitt
und Auslichtung sind wichtig
Regelmäßiger Winterschnitt der Stachelbeeren ist die vordringlichste
Maßnahme zur Verminderung der Mehltauinfektionen. Durch Rückschnitt
aller Triebe um ein Drittel lässt sich der Mehltaubefall deutlich einschränken.
Anfallendes Schnittgut ist sorgfältig zu beseitigen. Es empfiehlt sich
auch, sehr tief angesetzte Zweige zu entfernen, damit sich die Früchte
nicht zu nah am Boden befinden, wodurch eine erhöhte Anfälligkeit
entstehen kann. Bei der sachgerechten Auslichtung der Sträucher ist zu
bedenken, dass freihängende und der Besonnung voll ausgesetzte Früchte
an zu stark ausgelichteten Pflanzen als Folge plötzlicher heißer
Sommertage regelrecht "verschmoren" können. Grundsätzlich
sind zu dichte Bestände und einseitige Stickstoffdüngung zu vermeiden.
Weniger
anfällige Sorten bevorzugen
Es sollten möglichst Sorten mit einer geringen Anfälligkeit gegenüber
dem Amerikanischen Stachelbeermehltau ausgewählt werden. Bei den Stachelbeeren
sind dies zum Beispiel:
"Hinnonmäki gelb", "Invicta", "Rokula" und
"Rolonda".
Nähere Angaben über gering anfällige Stachelbeersorten können
der "Beschreibenden Sortenliste Beerenobst 1995" des Bundessortenamtes
(Landbuch Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 160, 30001 Hannover) bzw. der Broschüre
des BDG "Obstgehölze Teil B", Seite 26 - 30 entnommen werden.
Zu den Schwarzen Johannisbeeren ist zu sagen, dass "Ben Lomond" als
ausreichend widerstandsfähig gegen Amerikanischen Stachelbeermehltau gilt,
"Ometa" als wenig anfällig und "Titania" als widerstandsfähig
gegenüber diesem Echten Mehltaupilz bezeichnet werden.
Die Jostabeeren-Sorten "Jogranda", "Josta" und "Jostine"
gelten als wenig anfällig.
Literaturhinweis:
Farbabbildungen des Amerikanischen Stachelbeermehltaus befinden sich in der
Broschüre des BDG Obstgehölze Teil B "Kirschen, Beeren- und Schalenobst",
Seite 59, und in den Zeitschriften "Der KleinGarten" und "Berliner
Gartenfreund" Nr. 5 - Mai 1999 -
Verbandszeitschrift des BDG "DER FACHBERATER" Nr. 1/1995
Finanzielle
Förderung
durch das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt
© Quelle: Bundesverband Deutscher Gartenfreunde
e.V.
Steinerstraße 52, 53225 Bonn, Text: Harald Blasse
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